So erstellst du Schulungsvideos, die wirklich etwas vermitteln

Gute Schulungsvideos erstellen: ein Lernziel, unter sechs Minuten, ein Skript fürs Ohr, passende Bilder, ein kurzer Wissenscheck und ein Plan für Updates.

Vom Chasca-Team 6 Min. Lesezeit

Lieber schauen als lesen? Chasca hat dieses Video aus dem Artikel gezeichnet und vertont. Das Video ist auf Englisch vertont. Transkript lesen

Damit Menschen aus einem Schulungsvideo etwas lernen, wähle ein Lernziel, halte das Video kurz (unter sechs Minuten, für eine einzelne Aufgabe noch kürzer), schreib zuerst das Skript, zeig genau das, was der Sprecher sagt, beende es mit einem kurzen Verständnischeck und bau es so, dass es sich leicht aktualisieren lässt. Viele Schulungsvideos scheitern schon an den ersten beiden Punkten: Sie versuchen, einen ganzen Ablauf in einer langen Aufnahme abzudecken.

Die Schritte unten folgen evidenzbasierten Leitlinien für Lernvideos, vor allem Cynthia Brames Übersichtsarbeit zur Forschung in CBE Life Sciences Education. Im Kern geht es um drei Dinge: steuern, wie viel die Zuschauer auf einmal verarbeiten müssen, sie bei der Stange halten und sie dazu bringen, etwas mit dem Gesehenen zu tun.

Schritt 1: Was sollen Lernende danach können?

Schreib das Lernziel als Satz, in dem eine Handlung steckt:

Nach dem Video können neue Mitarbeitende im Support eine Rechnungsreklamation an die richtige Warteschlange weiterleiten.

„Abrechnung verstehen“ ist kein Lernziel, weil niemand es überprüfen kann. Ein echtes Lernziel sagt dir, was hineingehört, was rausfliegt und welche Frage du am Ende stellst. Brame empfiehlt, jedes Video kurz und auf sein Lernziel ausgerichtet zu halten und den Zuschauern dieses Ziel in einer Textzeile zu nennen, bevor sie auf Play drücken.

Ein Lernziel pro Video. Stehen fünf auf deiner Liste, machst du fünf Videos.

Schritt 2: Wie lang sollte jedes Schulungsvideo sein?

Kürzer, als du denkst. In der nach eigenen Angaben bis dahin größten Studie zum Engagement bei Videos analysierten Philip Guo, Juho Kim und Rob Rubin 6,9 Millionen Wiedergabesitzungen auf edX. Der Median der Sehdauer lag bei höchstens sechs Minuten, egal wie lang das Video war, und der Anteil der Zuschauer, die sich danach an der Anschlussfrage versuchten, sank von 56 Prozent bei den kürzesten Videos auf 31 Prozent bei den längsten.

Das Aufteilen hilft auch dem Verständnis, nicht nur der Aufmerksamkeit. Eine Metaanalyse von 56 Studien ergab: Lektionen, die in sinnvolle Abschnitte gegliedert sind und die Lernende in ihrem eigenen Tempo durchgehen, führten zu besserem Behalten, und das Gelernte wurde in neuen Situationen besser angewendet.

Plane ein Thema also als Reihe:

  • Liste die Aufgaben auf, die jemand erledigen muss.
  • Gib jeder Aufgabe ein eigenes Video, idealerweise ein bis drei Minuten lang.
  • Benenne jedes Video nach seiner Aufgabe („Doppelte Abbuchung erstatten“), damit man genau das Video findet, das man gerade braucht.

Mehr zur Länge steht in unserem Artikel zur Länge von Erklärvideos, mehr zu den Belegen in Helfen kurze Videos beim Lernen?

Schritt 3: Wie schreibst du ein Skript für ein Schulungsvideo?

Schreib das Skript, bevor du irgendein Videotool öffnest. Nirgends lassen sich Fehler billiger beheben.

  • Sprich die Zuschauer direkt an. Sag „du“ oder „Sie“ und nutze einfache Wörter. Ein Gesprächston statt eines förmlichen Stils ist eines von Richard Mayers evidenzbasierten Prinzipien für multimediale Lehre: das Personalisierungsprinzip.
  • Halte die Reihenfolge der Aufgabe ein. Erst dies, dann das, dann jenes prüfen.
  • Verwende die echten Namen von Buttons, Formularen und Teams, genau so, wie die Leute sie sehen werden.
  • Nenne den Grund in einer Zeile. „Wir prüfen zuerst das Konto, weil sich Erstattungen nicht rückgängig machen lassen“ hilft, auch mit Fällen umzugehen, die das Video nicht abdeckt.
  • Rechne mit etwa 150 Wörtern pro Minute Sprechertext.

Unser Leitfaden zum Schreiben eines Skripts für Erklärvideos enthält eine Vorlage zum Ausfüllen.

Schritt 4: Was gehört auf den Bildschirm?

Zeig, was du sagst, in dem Moment, in dem du es sagst, und sonst nichts.

  • Verbinde Worte mit Bildern. Brame empfiehlt, Ton und Bild für sich ergänzende Teile einer Erklärung zu nutzen, statt dieselben Worte doppelt zu liefern.
  • Heb hervor, was wichtig ist. Pfeile, Kreise und Beschriftungen, die genau auf Stichwort erscheinen, zeigen den Zuschauern, wohin sie schauen sollen. Mayer nennt das Signalisierung.
  • Lass die Deko weg. Brame spricht von „Jäten“: alles entfernen, was nicht dem Lernziel dient, etwa Hintergrundmusik und unruhige Hintergründe.
  • Passe das Format an den Inhalt an. Für Klicks in einer Software nimm eine Bildschirmaufnahme. Für die Idee hinter einem Prozess (warum es die Richtlinie gibt, wie die Teile zusammenpassen) ist ein gezeichnetes Erklärvideo leichter zu verstehen.

Schritt 5: Wer sollte sprechen?

Jemand, der klar und natürlich spricht, in normalem Tempo. Bloß nicht im Schneckentempo: In Guos Daten stieg das Engagement, je schneller gesprochen wurde, und Brame empfiehlt, relativ zügig und mit Begeisterung zu sprechen.

Nimm in einem ruhigen Raum auf. Wenn du viele Sprachen oder häufige Updates brauchst, ist eine synthetische Stimme die praktische Wahl, denn eine geänderte Zeile bedeutet dann keinen neuen Aufnahmetermin.

Schritt 6: Wie prüfst du, ob das Video gewirkt hat?

Stell eine Frage. In einer Harvard-Studie zu Online-Vorlesungen teilten Karl Szpunar und Kollegen eine aufgezeichnete Statistikvorlesung von 21 Minuten in vier Teile. Studierende, die nach jedem Teil ein kurzes Quiz beantworteten, gaben bei 19 Prozent der Abfragen an, gedanklich abgeschweift zu sein. Bei Studierenden, die zwischen den Teilen themenfremde Rechenaufgaben lösten, waren es 41 Prozent. Die Quiz-Gruppe machte sich außerdem mehr Notizen und erreichte im Abschlusstest 90 Prozent gegenüber 68 Prozent.

Wer eine Antwort aus dem Gedächtnis abruft, behält sie auch länger. In den klassischen Experimenten von Henry Roediger und Jeffrey Karpicke erinnerten sich Studierende, die das Abrufen übten, eine Woche später an deutlich mehr als jene, die den Stoff noch einmal lasen.

Für Schulungen heißt das:

  • Beende jedes Video mit einer Frage zum Lernziel, einer Pause und dann der Antwort.
  • Setz in einer längeren Reihe eine kurze Frage zwischen die Videos.
  • Prüf dann das Ergebnis im Arbeitsalltag: weniger falsch zugewiesene Tickets, weniger Fehler im Formular.

Schritt 7: Wie hältst du Schulungsvideos aktuell?

Schulungen veralten in dem Moment, in dem sich ein Bildschirm oder eine Richtlinie ändert. Plane das von Anfang an ein:

  • Halte Videos kurz und modular, damit eine Änderung ein kurzes Video betrifft und nicht eine Aufnahme von 40 Minuten.
  • Behandle das Skript als maßgebliche Fassung. Erst das Skript aktualisieren, dann das Video.
  • Gib jedem Video eine verantwortliche Person und einen Prüftermin.
  • Schalte Untertitel ein. Sie helfen allen, dem Video zu folgen, und Untertitel für aufgezeichnete Videos sind eine Anforderung der Konformitätsstufe A in den Web Content Accessibility Guidelines.

Wie machst du Schulungsvideos mit Chasca?

Wenn es die Schulung schon als Dokument gibt, fang damit an. Lade den Ablauf als Word-Dokument oder PDF hoch, füge den Link zu einem Hilfeartikel ein oder zieh die Onboarding-Präsentation hinein. Chasca schreibt das Skript, teilt es in Szenen auf und zeichnet jede davon Strich für Strich synchron zum Sprechertext, meist in etwa einer Minute.

Wenn sich der Ablauf ändert, erstellst du das Video aus dem aktualisierten Dokument neu; das dauert etwa eine Minute. Dasselbe Video lässt sich in 79 Sprachen erstellen (68 davon mit Sprecherstimme), als MP4 mit Untertiteln herunterladen oder als Link teilen. Eigenes Branding mit deinem Logo, deinen Farben und Schriften gibt es im Pro-Tarif. API- und MCP-Zugang für Teams, die Videos aus ihren eigenen Systemen heraus erstellen wollen, gibt es ab dem Plus-Tarif.

Eine Checkliste vor dem Veröffentlichen

  • Ein Lernziel, formuliert als Satz, in dem eine Handlung steckt.
  • Unter sechs Minuten, und eine Reihe, wenn das Thema größer ist.
  • Jedes Bild passt zu einer Zeile im Sprechertext, nichts ist reine Deko.
  • Am Ende eine Frage, dann die Antwort.
  • Untertitel an.
  • Eine verantwortliche Person und ein Prüftermin.

Quellen

Transkript zum Video Der Sprechertext des Erklärvideos oben (1:14).

How do you make training videos that actually teach? Think of a labeled drawer: one task per drawer, easy to find. The answer: one objective, under six minutes, a script written for the ear, matching visuals, a quick check, and a plan for updates.

Start with what someone must do afterwards. For example: after watching, a new agent can route a billing dispute to the right queue. “Understand billing” isn't something you can check. That action tells you what to include, what to cut, and what to ask at the end.

A study of 6.9 million viewing sessions on edX found median engagement time was at most six minutes however long the video was. Give each task its own video, ideally one to three minutes long. Why give each task its own video? One task keeps training short and focused.

Häufige Fragen

Unter sechs Minuten, und ein bis drei Minuten für eine einzelne Aufgabe. In 6,9 Millionen Wiedergabesitzungen auf edX lag der Median der Sehdauer bei höchstens sechs Minuten, egal wie lang das Video lief, und nach längeren Videos versuchten sich weniger Zuschauer an der anschließenden Frage. Mach aus größeren Themen eine Reihe.

Ein klares Lernziel, eine kurze Laufzeit, ein Skript, das zum Hören geschrieben ist, Bilder, die genau das zeigen, was der Sprecher sagt, und am Ende eine Frage, bei der man die Antwort aus dem Gedächtnis abrufen muss.

Ja, schon eine einzige Frage hilft. In einer Studie zu einer aufgezeichneten Vorlesung, die in vier Teile geteilt war, schweiften Studierende, die nach jedem Teil ein kurzes Quiz machten, etwa halb so oft mit den Gedanken ab und erreichten im Abschlusstest 90 Prozent, gegenüber 68 Prozent bei Studierenden ohne Quiz.

Halte sie kurz und modular, behandle das Skript als maßgebliche Fassung und gib jedem Video eine verantwortliche Person und einen Prüftermin. Ändert sich der Ablauf, erstellst du das Video in Chasca in etwa einer Minute aus dem aktualisierten Dokument neu.

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